Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern e.V.

Frevelhafter Abriss der Wassermühle Gnoien

Leises Sterben der Wassermühlen in MV

Die Wassermühle in Gnoien wird derzeit abgerissen. Foto: Arlt

Schwerin/Gnoien (cme). „Völlig überraschend musste ich die Tage vom Abriss der alten Wassermühle in Gnoien lesen. Zwar war vor Jahren durch den Zusammenbruch des danebenstehenden Maschinenhaus ein Loch im Dach des Mühlengebäudes entstanden, an dem die Holzkonstruktion angegriffen war. Aber der jetzige Abriss ist ein Frevel.“ Ingo Arlt, Mitglied im Landesmühlenverein MV und selbst Bewahrer der beiden Zwillingswindmühlen in Neu Vorwerk ist entsetzt. „Mit einer kleinen Notsicherung, konkret mittels Abstützung der Holzkonstruktion und Reparieren des Loches hätte man dieses für Gnoien stadtgeschichtlich bedeutende Bauwerk erhalten und für eine spätere Sanierung bewahren können.“

Und der Wassermühlen-Experte im Landesmühlenverein Jan Bauditz gibt zu bedenken: „Dem Eigentümer wird die Schuld für unterlassene Instandsetzungsarbeiten gegeben. Das mag sicher teils zutreffen. Aber warum muss der Landkreis Rostock dann 33.000 Euro für den Komplettabbruch ausgeben, statt nötige Sicherungsarbeiten damit ausführen zu lassen und anschließend über eine Zwangsversteigerung einen neuen Interessenten für das Mühlenensemble zu suchen?”

Denn an der jetzigen Abbruchstelle stand seit Stadtgründung im 12. Jahrhundert an der Warbel eine Wassermühle. Mühlenforscher Ingo Arlt berichtet: „In den Jahren 1820/1855 entstand das jetzige Gebäude. Mit seinem aufwändigen Schaugiebel, das an alte hanseatische Kaufmannshäuser wie sie in Wismar oder Lübeck erhalten sind, war dieses Gebäude einzigartig für die Stadt wie für die nähere Umgebung. Zusammen mit der 1890 errichteten industriellen Dampfmühle sowie dem Großsilo und den Schornstein stellte sie ein einzigartiges zusammenhängendes handwerkliches Zeugnis von der Entwicklung einer kleinen Wassermühle zur industriellen Großmühle dar.“

Dies sieht auch der Vorstand des Mühlenvereines Mecklenburg-Vorpommern so. „Zirka 800 Wassermühlen gab es einmal auf dem Gebiet unseres heutigen Bundeslandes. Aktuell sind uns nur noch 152 Standorte bekannt. Jedes Jahr weichen Mühlenstandorte, die auch zur Erzeugung von erneuerbarer Energie nutzbar wären“, sagt der 2. Landesvorsitzende Christian Meyer. Der Abriss zeige wieder einmal, dass die Denkmalbehörden zu schnell aufgeben und dann zusehen, „wie Wind- und Wassermühlen als Technische Denkmale und Kulturgut nach und nach verschwinden“.

Und Ingo Arlt hakt energisch nach: „Ist die Denkmalpflege überhaupt gefragt worden? Oder, war ihnen der Denkmalwert nicht bekannt? Ist überhaupt vor dem Abriss ein Aufmaß oder eine Zeichnung – wie vom Gesetz gefordert – von dem Denkmal angefertigt worden? Hat jemand überhaupt sichergestellt, dass denkmalrelevante Teile, wie das historische Mauerwerk im vorindustriellen Klosterformat für eine weitere Verwertung in anderen Denkmälern gerettet werden?“

Im Blick auf Gnoien drängen sich geradezu Parallelen zum Abriss des bedeutenden Wassermühlenkomplexes der Fleether Mühle vor ein paar Jahren auf: „Warum wurde der Landesmühlenverein als anerkannter Fachverband erneut nicht gefragt und in den Entscheidungsprozess einbezogen?“, so Mühlenfreund Arlt. „Gerade das Fiasko um die  Fleether Mühle sollte sich niemals wiederholen.“

Generell stellt sich für den Mühlenverein MV die drängende Frage "was unternehmen die Landesdenkmalpflege und die Unteren Denkmalschutzbehörden überhaupt zum Erhalt der Technischen Denkmäler Mühlen im Land. „Es ist leider bezeichnend, dass wir jedes Jahr den Verlust der letzten Mühlen im Land Mecklenburg–Vorpommern beklagen müssen. „So ging vor zwei Jahren mit Klein Ernsthof der fast einzige Vertreter einer Windmühle mit pommerschen Innenkruwerk verloren. Voriges Jahr die Windmühle bei Neu Krien“, zählt Ingo Arlt auf. Zugleich würden finanzielle Förderungen für Eigentümer gering oder komplett ausfallen. Mühlenfreund Arlt mahnt: „Wie soll so der Erhalt des Kulturgutes Mühle gelingen? Zu den erhaltenswerten Denkmälern gehören nicht allein die landesherrschaftlichen Schlösser, Parks und die Kirchen. Gerade die kleinen Denkmäler auf dem Land und in den Kleinstädten machen den vielfältigen Reiz unseres Landes aus.“

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