Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern e.V.

Klein Ernsthof: Trauer über den nächsten Verlust einer historischen Mühle

Nicht einmal Dokumentationen über die besondere Bauweise liegen vor

Die Erdholländer Klein Ersthof vor dem Abriss. Foto Ingo Arlt

Schwerin/Klein Ernsthof (lw/cme). „Der kontrollierte Zusammenbruch der bereits teilweise eingestürzten Mühle in Klein Ernsthof (Landkreis Vorpommern-Greifswald) macht uns doppelt traurig“. Dieses bittere Resümee zog heute (4. April 2017) der Vorsitzende des Mühlenvereins MV, Lothar Wilken, in Schwerin. Damit werde zum Begreifen klar, dass „wir gegenwärtig kaum Chancen haben, die verbliebenden Zeugen der ersten Maschinen unseres Landes zu retten“.

Zum einen ist der Verlust der Holländermühle in Klein Ernsthof unwiederbringlich. Denn standen früher bis zu 1200 Windmühlen in der Landschaft, sind es jetzt landesweit nur noch 123. „Dabei sind schon sieben Mühlen-Ruinen mitgezählt“, so der Vorsitzende des Landesmühlenvereins. Zum anderen hatte die Klein Ernsthofer Mühle mit der „so genannten pommerschen Innendrehverstellung eine fast einzigartige Technik, die noch nicht einmal für die Nachwelt dokumentiert wurde“.

Das Beispiel zeige deutlich, das der Erhalt des kulturellen Erbes im Unterschied zum Naturerbe momentan kaum Unterstützer hat. Denkmale zu erhalten ist teuer, private Eigentümer oder sogar Kommunen sind oft finanziell überfordert. Zugleich ist die Denkmalförderung des Landes gegenwärtig finanziell sehr schlecht ausgestattet. „Noch bedauerlicher ist, dass keine Dokumentationen der gefährdeten Schätze und Zeugen der Vergangenheit rechtzeitig durchgeführt werden“, so Lothar Wilken. Fassungslos mache zudem, dass bereits in der Nacht nach dem jüngsten Abbruch der Mühle wesentliche Teile gestohlen wurden. „Damit bleibt nicht einmal mehr ein Muster für einen Modellbau übrig. Die Aufgabe, Listen der noch bestehenden Mühlen zu erstellen, deren Zustand zu erfassen und unter Umständen Aufmaße anzufertigen, kann nicht auf unseren Verein und die ehrenamtliche Tätigkeit abgewälzt werden. Wir fühlen uns von den zuständigen Behörden allein gelassen", kritisiert Lothar Wilken.

Vielleicht ist der bevorstehende Deutsche Mühlentag am Pfingstmontag (5. Juni 2017), an dem wieder zirka 20 Mühlen des Landes teilnehmen, eine gute Gelegenheit für die Bevölkerung, sich dem Thema des Verlustes des historischen Erbes zu nähern, so Lothar Wilken und regt an: „Besucher sollten die eindrucksvolle Stimmung an den geöffneten Mühlen genießen. Und wer möchte, kann vorher an einem der bald nicht mehr sichtbaren Reste von Windmühlen vorbeifahren, um Abschied zu nehmen und sich ihr Bild in der Landschaft einzuprägen. Ein Umweg, beispielsweise über die (Noch)Mühlenorte Bansin, Krien, Laage, Pölitz, Verchen, Walkendorf oder Wardow, eignet sich dafür.“