Mühlenverein Mecklenburg Vorpommern e.V.

Ohne Wasser ist eine Mühle nur ein totes Backsteingebäude

Leises Sterben der Wassermühlen als Kulturgut

Uralter Wassermühlenstandort: Kuchelmiß in der Nähe der Barlachstadt Güstrow.
Foto: Verein

Schwerin (lwi/cme). „Niemand bemerkt, wie durch die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Land die Wassermühlen als technische Denkmale dauerhaft und schleichend verschwinden.“ Dies ernüchternde Fazit zog heute (28. April 2015) der Vorsitzende des Mühlenvereins MV Lothar Wilken im Ergebnis eine Reihe von Versuchen der Organisation, die Betroffenheit für den Erhalt der ersten Maschinen mit regenerativen Antrieben als Kulturgut zu vergrößern.

Die Technik der Wassermühlen bestand aus dem Gebäude, den Anlagen und der klugen Nutzung von fließendem Wasser. Aktuell, so Lothar Wilken, „wird überall das Wasser fast vollständig abgeleitet, weil nur noch die Durchlässigkeit für Fische als Ziel gesehen wird“. Die Denkmalbehörden geben schnell auf. Die Liste der unbrauchbar gemachten Standorte wird immer länger: Warin, Fleeth mit Totalabriss des Denkmals, Kuchelmiß, Rüting, Grabow in Planung. „Viel Geld steht dafür zur Verfügung – und in 20 Jahren kennen wir Wassermühlen nur noch als bewohnte oder verfallene Backsteinhäuser mit Schautafel und ein paar alten Fotos“, blickt Lothar Wilken voraus.

Das Argument, Wasserenergie sei ein Feind der Fische, ist nicht korrekt. Aktuelle Studien belegen, dass Wehre und Stauanlagen eher positive Wirkungen auf die Fischbestände haben. Deshalb gab es damals auch eine mindestens 10-fache und artenreiche Fischmenge.

Uralte Standorte könnten umweltschonend Strom erzeugen
„Zirka 800 Wassermühlen gab es einmal in MV, heute sind unserem noch 152 Standorte bekannt, die auch Orte der Erzeugung von dezentraler Energie sein können“, sagt der Vereinsvorsitzende und ergänzt: „Wir erwarten vom Land eine faire Genehmigungspraxis für Wasserrechte, den Bau angepasster Fischaufstiegsanlagen, die Erstellung der gesetzlich vorgeschriebenen Potenzialanalyse für Wasserkraft im Land und die Berücksichtigung auch der Wasserkraft im Landesentwicklungsplan.“
Der Landesmühlenverein erwartet, dass die Denkmalbehörden für die schnelle Erstellung einer Bestandsaufnahme des Inventares und des Denkmalwertes noch bestehender Mühlen sorgen, um im Rahmen von Beteiligungsverfahren mit sehr begrenzten Ressourcen schneller und argumentativ besser auftreten zu können.

„Vielleicht“, so hofft Lothar Wilken, „ergreift die Justizministerin bei ihrer morgigen Teilnahme an der Konferenz zum Erhalt des kulturellen Erbes im Ausschuss der Regionen in Spanien die Gelegenheit zum gemeinsamen Gegensteuern. Die negativen Wirkungen der Wasserrahmenrichtlinie sollten gemeinsam gestoppt werden.“

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